16. September 2026

Gute Gastroküchen entstehen mit Köpfchen: Hotelarchitektur zwischen Küche und Restaurant

Krucker Partner AG
Hotelière Ausgabe Nr.4 2026

Was macht gutes Hotelrestaurant-Design aus? Im Interview mit Hotelière erklärt Ivo Christow, wie Architektur, Restaurant-Design und Innenarchitektur zusammenwirken, damit ein Hotelrestaurant Gäste überzeugt und im Betrieb funktioniert.

 

Inwiefern muss die Küche auf das Hotelrestaurant-Design im Gästebereich abge­stimmt sein?
Küche und Restaurant müssen für mich dieselbe Haltung vermitteln. Sie müs­sen nicht gleich aussehen, aber sie sol­len zusammengehören. Das Restaurant ist ein wichtiger Teil der Identität eines Hotels und die Küche gehört genauso dazu.
Offene Küchen oder ein sichtbarer Pass schaffen spannende Einblicke ins Handwerk. Das gefällt mir, weil Gäste erleben können, wie mit Sorgfalt gear­beitet wird. Gleichzeitig braucht es eine gute Planung, damit Themen wie Lüf­tung, Hygiene, Akustik und Ordnung perfekt funktionieren.


Wo überschneidet sich die Architektur von Küche und Restaurant?
Die Überschneidung liegt an den Schnittstellen. Am Pass, an der Bar, bei der Ausgabe, bei Türen, Sichtbezügen, Materialwechseln, Lichtkanten und Servicewegen. Gerade an diesen Über­gängen merkt man, wie intuitiv Raumgestaltung und Betrieb zusammenspie­len. Dort zeigt sich, ob Architektur nur gestaltet oder ob sie den Betrieb wirk­lich verstanden hat.
Ich sehe diese Übergänge als eine Art Regiearbeit. Was soll der Gast sehen? Was soll bewusst verborgen bleiben? Wo entsteht Nähe zum Handwerk, wo braucht es Ruhe? Ein guter Pass kann zum Herzstück werden, weil er Küche und Gastraum verbindet, ohne alles preiszugeben. Er erlaubt Einblick, schützt aber gleichzeitig die Konzen­tration des Teams.
Wenn diese Schnittstellen stimmen, funktionieren die Abläufe reibungslos. Service und Küche greifen ineinander, ohne dass die betrieblichen Prozesse für den Gast in den Vordergrund treten. 
So entsteht eine Atmosphäre, die ruhig und selbstverständlich wirkt.


Was umfasst der Aufgabenbereich des Architekturbüros bei der Planung und Umsetzung eines Hotelrestaurants?
Am Anfang steht für mich immer eine einfache Frage: Wofür steht dieses Hotel? Jedes Haus hat seinen eigenen Charakter und genau dieser soll sich auch im Restaurant widerspiegeln. Gute Hotelarchitektur beginnt deshalb beim Selbstverständnis des Hauses. Ein Restaurant muss zum Charakter und zum Anspruch des Hauses passen. 
In einem 5-Sterne-Haus ist ein Fast-Food-Restaurant genauso unpassend wie ein Fine-Dining-Lokal in einem Hostel. Wir planen nicht nur Mate­rialien und Möbel, sondern denken bei der Innenarchitektur eines Restaurants genauso an Arbeitsabläufe, Technik, Akustik, Beleuchtung und Wirtschaft­lichkeit. Danach geht es darum, Atmo­sphäre und Funktion miteinander zu verbinden. Ein Restaurant soll am Eröffnungstag überzeugen und viele Jahre später noch genauso gut funk­tionieren.


Wie sähe dein ideales Hotel­restaurant aus? Wo würde der Fokus / das Highlight liegen?
Ein gelungenes Hotelrestaurant muss nicht mit grossen Gesten beeindrucken. Viel wichtiger ist, dass sich die Gäste vom ersten Moment an wohlfühlen. 
Morgens braucht ein Raum eine andere Stimmung als am Abend. Diese Verän­derung gelingt mit Licht, Materialien und einer durchdachten Raumgestal­tung viel besser als mit aufwendigen Effekten. Besonders spannend finde ich die Ver­bindung zwischen Küche und Res­taurant. Wenn Gäste das Handwerk erleben können, ohne dass der Betrieb gestört wird, entsteht eine besondere Nähe. Das wirkt ehrlich und authen­tisch.
Für mich liegt die Qualität eines Hotel­restaurants vor allem darin, dass es eine eigene Identität entwickelt und sich trotzdem stimmig in das Hotel ein­fügt. Es sollte ein Ort sein, den Hotel­gäste gerne nutzen, der aber genauso für externe Gäste attraktiv ist. Wenn ein Restaurant nicht nur als Teil des Hotelbetriebs wahrgenommen wird, sondern als eigenständiger Ort, den man bewusst besuchen möchte, ist für mich sehr viel erreicht.